Am 19. September verstarb im Alter von 94 Jahren der ehemalige Studienseminarleiter, Schulleiter der Hauptschule in Peckelsheim und Volksschullehrer in Eissen, Hubert Plogmeier. Geboren 1931 in Garfeln bei Lippstadt machte er nach dem Gymnasium eine Ausbildung zum Bahnbeamten und schloss daran ein pädagogisches Studium zum Volksschullehramt an. Sein Examen führte ihn 1963 als Junglehrer an die Volksschule in Eissen.
In dieser Zeit gründete er mit seiner Frau Michaele, die ebenfalls Lehrerin war, seine Familie und hat mit ihr zusammen vier Kinder. Ab 1967 übernahm er die Leitung der Volksschule in Calenberg und verließ Eissen für eine kurze Zeit, um nach seiner Berufung zum Leiter der Hauptschule in Peckelsheim Anfang der 1970er Jahre wieder nach Eissen zurück zu kehren. Dort bezog die Familie das noch heute bewohnte Haus an der Hibbeke. Als Hauptschulrektor installierte er das erste 10. Schuljahr in Peckelsheim und konnte damit eines seiner großen Anliegen umsetzen: die Förderung junger Menschen, die somit auch über die Hauptschule die Möglichkeit hatten, die Fachoberschulreife zu erlangen. Bei seinen Schülern und Schülerinnen, denen er, mit festem christlichem Standpunkt und heimatlich verwurzelt, mit Respekt und Achtung, aber auch fordernd und fördernd, begegnete, war er beliebt und viele waren ihm noch
später dankbar. Nach seiner Schulleitung wurde er Studienseminarleiter zur Lehrerausbildung, erst in Brakel, dann in Detmold, später in Hagen und zuletzt in Paderborn. Als Prüfungsbegleiter wirkte er auch noch über das Pensionsalter hinaus an der Lehrerausbildung mit.
Selbst vielen Eissener Kindern, die nie seine Schüler waren oder zu jung für seine Lehrerzeit, war er als Lehrer ein Begriff, da er auch später immer noch selbstverständlich dafür sorgte, dass sie bei Prozessionen ihren richtigen Platz fanden und sich während der Prozessionen um sie kümmerte.
Direkt im ersten Jahr in Eissen wurde Hubert Plogmeier Mitglied im Sportverein Germania, in dem er bis in die 80er Jahre als begeisterter Teamspieler im Fußball aktiv war und den er von 1974 bis 1983 auch als Vorsitzender leitete. Als solcher konnte er seinen Verein für das Ehrenamt begeistern und seine ruhige und besonnene Art und sein immer offenes Ohr machten in auch bei anderen Sportvereinen im Kreis sehr beliebt. Für seine Vorstandskameraden nahm er sich immer Zeit, um ihnen die Arbeit in ihren Ämtern zu erleichtern. Der Sportverein Germania Eissen verlieh ihm im Jahr 2013 die Ehrenmitgliedschaft.
Der wanderbegeisterte Plogmeier gründete vom Sportverein aus, quasi aus Versehen, die Abteilung Eissen des Eggegebirgsvereins, die heute leider nicht mehr besteht. Auf Wunsch der damaligen Tischtennisabteilung organisierte er eine Wanderung für die Spieler, die gut angenommen wurde und zum entstehen einer kleinen Wandergruppe führte, die sich monatlich traf. Schließlich wurde der EGV auf die wanderlustigen Sportler aufmerksam und schlug die Gründung einer eigenen Abteilung in Eissen vor, die im Jahr 1986 dann entstand und fast 30 Jahre lang Bestand hatte. Der heimat- und geschichtsinteressierte Plogmeier wurde ihr erster Vorsitzender und nutzte die Abteilung auch als Plattform zum Erhalt alter Traditionen und Bräuche. Zusammen mit dem Pfarrgemeinderat wurden der Bittgang nach Sünnerike und das Fronleichnamsbier wiederbelebt. Als Deutschlehrer lag es da auch nicht fern, einen Nachmittag zur Pflege der Plattdeutschen Sprache zu organisieren.
Politisch interessiert und engagiert, gehörte Hubert Plogmeier nach der kommunalen Neugliederung als direkt gewähltes Mitglied von 1975 bis 1979 dem Rat der Stadt Willebadessen an und führte dort als erster Vorsitzender die CDU-Fraktion, zugleich war er damals Mitglied im neu gegründeten Bezirksausschuss und Ortsvorsitzender der CDU in Eissen.
Als Christ engagierte sich Hubert Plogmeier im Pfarrgemeinderat und setzte sich auch dort dafür ein, dass wesentliche Dinge, die für eine Dorfgemeinschaft prägend sind, erhalten bleiben, wozu für ihn auch ganz klar der christliche Glaube, dass darauf basierende Wertefundament und die damit verbundenen Traditionen und Riten zählten. Auch im kirchlichen Umfeld hat er Ereignisse und Erscheinungen nicht einfach nur hingenommen sondern ist den Dingen, geprägt durch seinen Glauben, seine Heimatverbundenheit und sein Geschichtsbewusstsein, auf den Grund gegangen. Für seine Verdienste um die Kirche wurde ihm im Jahr 1997 das päpstliche Verdienstkreuz Pro Ecclesia et Pontifice verliehen.
1966 wurde Hubert Plogmeier auch Teil des örtlichen Schützenwesens und trat dem Liborius‐Schützenverein Eissen bei. Diesem diente er von 1993 bis 2007 als Chronist im Beirat und auch sehr häufig als Festredner am Ehrenmal während des großen Festumzugs. Aus seinen Reden sprach auch hier sein christliches Wertefundament und seine Liebe zu den Traditionen seiner Heimat.
Hubert Plogmeier bündelte seine Interessen und Fähigkeiten immer wieder zum Wohle seines Heimatorts, so auch als Ortsheimatpfleger und insbesondere bei seinen umfangreichen Recherchen zur Eissener Dorfgeschichte. Viele seiner Erkenntnisse und Forschungen wurden 2003 im Buch „Aieshusun - Aeissun - Eysnen - Eissen - Bild unserer Heimat“ veröffentlicht, welches anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Liborius-Schützenvereins heraus gegeben wurde – und sind heute bereits in Teilen auf dieser Internetseite zu lesen. Für seine umfangreiche Quellenarbeit, Recherche und Schriftleitung, die in dieses Buch geflossen sind, würdigte ihn der Schützenverein im Jahr 2004 mit der Ehrenmitgliedschaft.
Ihren krönenden Abschluss fanden diese Arbeiten aber vor allem in der 1000-Jahr-Feier im Jahr 2010, die maßgeblich durch Plogmeiers Forschungseifer ermöglicht wurde, der in intensiver, fast detektivischer Arbeit in Archiven und Bibliotheken die Ersterwähnung des Dorfes auf die Jahre 1001 bis 1010 n. Chr. datieren konnte. Mit der 1000-Jahr-Feier verband er auch wieder seine Wanderlust: so organisierte der EGV gut besuchte Fahrten und Wanderungen zu den Orten, die mit der Eissener Geschichte verbunden sind, wie Corvey und Helmarshausen.
Hubert Plogmeier hat tief verwurzelt im christlichen Glauben nicht nur Generationen von Schülern geprägt und gefördert, sondern genau so auch sein Heimatdorf Eissen. Stets motiviert, dass Leben in Eissen im christlichen Sinne zu ergründen und mitzugestalten, war es bis zuletzt als Persönlichkeit präsent und geachtet. Selbst im hohen Alter und trotz körperlicher Einschränkungen, hat er am Dorfleben nach Möglichkeit teilgenommen. Auf dem Schützenfrühschoppen im Juli nahm er noch in Uniform seinen Orden für seine 60-jährige Vereinsmitgliedschaft entgegen und immer wieder konnte man ihm beim Kirchbesuch begegnen oder bei der Libori-Prozession.
Eissen verliert mit Hubert Plogmeier einen Menschen und Mitbürger, der mit seinem Einsatz für sein Dorf und die Ergründung der Dorfgeschichte ganz sicher selber ein prägender Teil derselben geworden ist.
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